Vollversion

Lukaschenko nennt Gründe für die Fortsetzung des Konfliktes in der Ostukraine

Präsident 03.09.2019 | 15:24

MINSK, 3. September (BelTA) – Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat heute in der internationalen Konferenz zur Terrorismusbekämpfung in Minsk die Meinung geäußert, dass es Personen oder Kräfte gibt, die an der Fortsetzung des Konfliktes in der Ostukraine interessiert sind.

„Warum währt der Konflikt immer noch? Weil ihn bestimmt irgendjemand braucht“, unterstellte der Staatschef.

Belarus habe gleich am Anfang seine Hilfe zur friedlichen Konfliktlösung angeboten, aber diese Vorschläge seien abgelehnt worden. Der Konflikt ziehe sich hin.

„Dieser Konflikt bringt allen nur Leiden. Er bereitet mir persönlich große Sorgen und macht mir als Chef des ukrainischen Nachbarstaates viel zu schaffen. Als der Konflikt ausbrach, erhielt ich von einem hochrangigen ukrainischen Politiker einen Anruf mit der Frage, was jetzt zu tun sei und wie die Position von Belarus in diesem Konflikt aussehe. Ich wollte mich in die Angelegenheiten des Nachbarstaates nicht einmischen, weil ich wusste, was in der Ukraine geschieht und wo die Gründe für diesen Konflikt liegen“, erklärte Alexander Lukaschenko.

Belarus habe einen Aktionsplan vorbereitet und auf den Tisch gelegt. Er habe konkrete Schritte zur Beilegung des Konfliktes enthalten. „Ich sagte damals: Der Plan ist so konzipiert, dass Belarus bei seiner Umsetzung die größte Last tragen soll. Wenn dieser Plan abgelehnt wird, werde ich vermuten, dass Europa kein Interesse am Ende dieser Krise hat. Und das zivilisierte Europa hat tatsächlich unseren Plan abgelehnt. Sogar in Details“, stellte der belarussische Staatschef fest.

„Nun begann der Kampf um Donbas, um Krim, es kam zu Gesprächen im „Normandie-Format“. Diese fanden unter anderem in Belarus statt. Ich habe sie mit Freude organisiert, weil ich wusste, dass selbst kleine Schritte auf dem Weg zur Normalisierung der Situation eine große Hilfe sind. In der Ukraine starben Alte und Kinder. Sie sterben leider auch heute noch“, fügte der Staatspräsident hinzu.

Als die Krise in der Ostukraine begann, wurden die kritischen Stimmen in Belarus immer lauter: Das ist ein fremder Konflikt, wir sollten lieber „draußen“ bleiben. „Nun erstens sind die Ukrainer uns keine fremden Menschen. Zweitens findet er gleich vor unserer Tür statt. Meine Befürchtungen haben sich bestätigt – fast 150.000 Ukrainer suchten im ersten Jahr in Belarus Asyl. Das demokratische Europa streitet über die Aufnahme von Migranten, die in Schlauchbooten vor Problemen in ihren Heimatländern flüchten. Europa will sie nicht mehr haben und lässt fremde Menschen im Meer ertrinken. Zu uns strömten aber 150.000 Menschen, die uns nicht fremd waren. Ich haben sofort ein Dekret unterzeichnet, um Ukrainer in ihren Rechten und Möglichkeiten mit Belarussen gleichzustellen. Sie genießen alle Rechte auf Wohnen und Bildung. Sie bekommen Arbeit. Belarus, das selbst viele Probleme hatte, nahm 150.000 Menschen auf. Hat uns irgendjemand dabei geholfen? Nein. Auch wenn wir um diese Hilfe nicht absichtlich gebeten haben.“

Das Schrecklichste aber kam etwas später: Belarus war gezwungen, seine Staatsgrenze zu schließen. „Wir mussten die Grenze zur Ukraine komplett schließen, die Grenze zu einem Staat, wo unsere Brüder und Verwandten leben. Dichtmachen. Das war noch schlimmer als die Grenze mit NATO, die wir angeblich für unseren Feind gehalten haben. Und nun mussten wir die Grenze zu unseren nächsten Menschen dichtmachen. Weil es zu Waffenschmuggel kam. Und dort, wo es den Waffenschmuggel gibt, entsteht der Nährboden für Terrorismus. Gott bewahre, dass das friedliche Belarus davon betroffen wird. Und dass hierzulande etwas heranwächst, wozu es keine objektiven Gründe gibt“, erzählte Alexander Lukaschenko.

„Wessen Idee war das? Die Antwort liegt klar auf der Hand“, resümierte der Staatschef.

Nachrichten der Rubrik Präsident
Vollversion